Reise blog von Travellerspoint

Tansania - Teil 7

Boxenstopp in der Serengeti

semi-overcast 27 °C

Gestern waren wir auf dem Weg zurück vom Lake Natron als uns zwei Uniformierte mit Gewehren auf Motorrädern stoppen. Da bleibt man besser mal stehen. Der Typ von gestern, der mich so genervt hat ist auch wieder dabei. Sie wollen nun das Geld für die Übernachtung. Allerdings nehmen sie kein Bargeld, wir müssen das online bezahlen und vorab eine Genehmigung einholen. Dafür ist es nun aber irgendwie zu spät und es entspinnt sich eine längere zum Teil höchst unfreundliche Unterhaltung zwischen mir und den beiden.

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Nach endlosen Hin und Her und Telefonat mit seiner Chefin dürfen wir bar vor Ort bezahlen. Der Trick mit "wir haben nicht so viel Bargeld" hatte nicht funktioniert. Für den Fall hätte ein Auto 100km vier Stunden zum Geldautomaten und zurück fahren müssen, das andere wäre quasi als Geisel zurück geblieben. Also "finden" wir die fehlenden 100 Dollar und bezahlen zähneknirschend. Durch diese Zusatzabgabe ist uns der See und der Wasserfall preismäßig unverschämt teuer geworden. Man kann eigentlich niemanden raten mit eigenem Auto hierher zu fahren. Es ist das Geld definitiv nicht wert. Tansania bestraft Selbstfahrer wie uns bei jeder Gelegenheit. Immer wieder wird für Fahrzeuge mit ausländischen Kennzeichen ein Vielfaches an Gebühren fällig.

Mit über 2 Stunden Verspätung geht es nun an die 100km nach Loliondo. Tipi fährt und hat bald wenig Spaß an der Rüttelstrecke. Ansonsten hatte sie immer viel Freude am Off-Road-Fahren. Wir haben auch wieder Beifahrer getauscht und ich fahre bei Frank im Landrover mit. Das tut mir gut, denn so bekomme ich nicht mit wie Lilly unter der Strecke leidet.

Wir brauchen an die 4 Stunden für die Strecke - nur ein 25er Schnitt, dennoch fühlte es sich an als ob wir die Fahrzeuge an der Belastungsgrenze bewegen. Das Quartier für die Nacht ist keine wirkliche Campsite für Overlander wie uns, aber es gibt Platz für die Autos im Garten eines Guesthouse. Wir mieten ein zusätzliches Zimmer im Haus für Toilette und Dusche für uns alle. Wir sind auf 2000m Höhe und Nachts wird es hier richtig kühl. Dennoch hätten wir gerne Strom für unsere Kühlschränke. Der junge Campmanager, der aussieht wie Will Smith, überlegt kurz und hat dann eine Idee. Er bestellt einen Elektriker und lässt fur uns ein Kabel quer über den Hof verlegen. Die Steckdose wird an einen Baum geschraubt. Super!

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Wir bleiben 2 Nächte, denn für den anderen Tag haben wir einen Mechaniker gefunden, der sich unsere Lilly anschauen will. Es ist Samstag Abend und einige Einheimische laden uns ein mit ihnen zu feiern. Es gibt einen Cocktail aus Rum, Red Bull und Soda aus kleinen Eimern. Mein Brummschädel am nächsten Morgen ist die logische Folge.

Der Mechaniker taucht gegen halb 10 auf und nicht um 8 wie ausgemacht. Wegen meinen Kopfschmerzen bin ich direkt dankbar dafür. Ich muss das Zelt abbauen, denn seine "Werkstatt" ist etwa 1 km weiter. Frank fährt mit zu dieser Werkstatt, die im Prinzip aus einer Grube und einigen Schrottfahrzeugen rundherum besteht.

Nun gilt es erstmal den Fehler zu finden. Die Antriebswelle war es nicht, auch nicht das Differential. Es stellt sich heraus, dass die in Südafrika neu eingebauten Stoßdämpfer geplatzt sind. Das Öl auf der rechten Seite stammte aus einem der Dämpfer. Ersatz ist hier nicht zu bekommen, also lassen wir den Mechaniker alles wieder zusammen bauen.

Damit er wenigstens ein Erfolgserlebis hat lasse ich ihn die Wisch-Wasch-Anlage reparieren. Ich vermute nur einen losen Schlauch, denn wenn man Wasser einfällt kommt das sofort wieder unten raus. Das Problem hatten wir schon von Anfang an, aber jetzt mit dem vielen Staub hätten wir schon gerne saubere Scheiben. Mit dem Erfolgserlebis für den Mechaniker wurde es leider nichts. Ein Tier hatte Schlauch und Behälter völlig zerbissen - Reparatur unmöglich, Ersatzteil hier nicht zu beschaffen.

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Frank hat aber eine Idee.

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So provisorisch das auch aussieht, es funktioniert und wir haben nun saubere Scheiben.

Zurück an der Campsite treffen wir ein deutsches Paar das mit Miet-Overlander unterwegs ist. 3 Wochen Safari in diversen Parks. Was die Beiden da machen kostet aber mal so richtig viel. Mehr Geld für weniger Komfort kann man wohl kaum wo in der Welt ausgeben. Das Erlebnis zählt.
Am Abend regnet es schon wieder, sehr ungemütlich. Die Regenzeit ist nun wirklich gekommen und wir müssen zusehen, dass wir schnell nach Süden ins Trockene fahren.

In dieser Nacht schlafe ich sehr schlecht. Die letzten beiden Etappen waren übel und was uns nun bevorsteht ist Quasi die Königsetappe über Stock und Stein. 280km, quer von West nach Ost durch die ganze Serengeti. Kein Dorf, keine Tankstelle, keine Werkstatt auf der gesamten Strecke. Wenn da bloß mal nichts kaputt geht. Dazu kommt nun die Erkenntnis, daß wir alles praktisch ohne Stoßdämpfer fahren müssen. Der vorne rechts ist nutzlos und die anderen 3 völlig am Ende. Diese Rüttelpisten ohne Dämpfung zu fahren ist für Mensch und Material eine Folter.

Für die ersten 60km brauchen wir 2 Stunden, das geht eigentlich. Schon der Weg zum Eingang der Serengeti ist so übel, dass mir die Halterung der Reservekanister fast vom Dach fliegt. Ich schütte den Inhalt der Kanister in den Tank und werfe die leeren Blechkanister ins Auto, wo sie in den nächsten 9 Stunden höllischen Lärm machen.

Wir sind um 9 Uhr am Eintrittstor zur Serengeti. Kleins Gate - der nördlichste Punkt unserer Afrika-Rundfahrt. Ab nun geht es quasi nach hause. Der Ranger dort kassiert das Geld und klassifiziert unsere Fahrzeuge als zu leicht, daher sparen wir pro Auto an die 100 Euro für die Durchfahrt. Da war unsere Laune noch prima.

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Die Piste fordert meine ganze Aufmerksamkeit, ich habe kaum einen Blick für die riesigen Gnuherden, die Zebras, Giraffen und Büffel.

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Wir müssen aufs Tempo drücken, denn um 18 Uhr macht das Tor auf der anderen Seite des Parks zu und bis dahin müssen wir durch sein. 9 Stunden klingt reichlich für 200km, war aber kaum zu schaffen. Ich fahre so schnell es die Piste zulässt, wir machen kaum Pausen für Fotos und trotzdem schaffen wir in den ersten 4 Stunden nichtmal einen 25er Schnitt.

Für eine Gruppe Elefanten, die die Straße kreuzen müssen wir anhalten.

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Ebenso für diese Schildkröte

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Eine Topi-Antilope posiert fürs Verbrecheralbum

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Gegen Mittag dann doch eine kurze Essenspause an einem Hippo-Pool

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Dann spinnt unser Navi und wir Verfahren uns auch noch. Wenigstens hatten wir eine schöne Aussicht dabei.

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Für diese kleinen Mungos hielten wir kurz an und machten Fotos, was wir sofort bereut haben. Durch die offenen Fenster kamen ein Dutzend Tse-Tse Fliegen ins Auto. Bevor wir alle erledigt hatten haben wir etliche Stiche abbekommen.

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Hier noch ein paar Impressionen vom hässlichsten Vogel im Park.

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Um 4 Uhr, 40km entfernt vom rettenden Gate, zieht der Wagen plötzlich heftig nach links. Frank, der hinter mir fährt, funkt, dass mein Vorderreifen platt ist. Er war mit Alina zurück geblieben um ein Rudel Löwen zu beobachten. Tse-Tse hin, Löwen her. Ich steige aus und betrachte den Schaden. Der Reservereifen muss her. Viel Zeit haben wir nicht. Alles muss jetzt schnell gehen.

Wagenheber, Radkreuz raus - verdammt wo ist die Verlängerung? Ich schmeiße das ganze Werkzeug auf die Straße auf der Suche danach. Nix! Frank hilft aus mit einer Ratschenverlängerung. Zu zweit nehmen wir den platten Reifen ab und montieren das Reserverad. Ich werfe das ganze Werkzeug wieder ins Auto. Alles zusammen dauert nichtmal 20 Minuten.

Nun aber Gas! Ich fahre was geht, fliege mehrfach fast aus der Bahn, aber wir schaffen es tatsächlich sogar bis 5 Uhr zum Gate. Das ist das Foto am Ausgangsgate. Es ist mehr ein "Wir haben es geschafft"-Bild geworden. Tipi möchte sich heute am liebsten nur noch in Cocktails ertränken.

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Vom Gate zur Campsite sind es nur noch 2km. Es langt auch wirklich für heute. 10 Stunden Fahrt waren mehr als genug. Wir schaffen es gerade noch unser Lager aufzuschlagen, bevor der Regen kommt. Auf Kochen hat heute keiner mehr Lust. Obwohl es ein brauchbare Campküche gibt, gehen wir nur noch an die Bar der Lodge und essen dort eine Kleinigkeit. Cocktails gab es dort nicht, was Tipi mit folgendem Zitat kommentierte:
"Da will ich mich mal besaufen und nicht mal das klappt hier"

Am Klo hängen hier 2 Fledermäuse, Tipi findet sie sehr niedlich.

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Genau wie diesen Grashüpfer

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Nach der gestrigen Tortur brauche ich einen Pausetag. Wir nutzen ihn um das Chaos im Auto zu beseitigen und Tipi putzt was geht, um den Staub der letzten 3 Tage los zu werden. Abends kochen wir wieder am offenen Feuer. Unter dem Feuerholz war diese Kleine versteckt.

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Es gibt Bratkartoffeln mit Spiegelei und Bohnen.

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Eingestellt von tipitom 10:40 Archiviert in Tanzania

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