Reise blog von Travellerspoint

Tansania - Teil 1

Alptraum Grenze und Straße

sunny 32 °C

Wir dachten wir hätten schon den Gipfel der Langsamkeit und Umständlichkeit am Grenzübergang nach Malawi erlebt, doch Tansanias Beamte können es noch besser. Knapp 3 Stunden dauerte es dieses Mal und wieder war niemand vor uns. Kaum vorstellbar wie lange man wartet, wenn ein Bus mit einer Reisegruppe vor einem ist. Am besten nimmt man sich dann ein Zimmer im Ort.

Alles muss nacheinander passieren, Visa für uns und Zollformaltäten fürs Auto laufen nacheinander ab. Dieses Mal werden 50US$ pro Person für das Visum und 25US$ für den Wagen fällig. Etwas günstiger als Malawi - immerhin. Der Betrag fürs Visum muss in US-Dollar entrichtet werden, der fürs Auto in Tansania Shilling, auch wenn Dollar auf der Quittung stehen. Landeswährung haben wir in der Zwischenzeit von Geldautomaten gezogen. 2500 zu 1 ist der Kurs, wieder mal etwas für Kopfrechenakrobaten.

Besonders zeitraubend ist, dass man nicht direkt am Zoll bezahlen kann, sondern dort nur eine Rechnung in 3-facher Ausfertigung bekommt. Mit der geht man zur Bank, zahlt dort den Betrag ein und geht mit einer Quittung in doppelter Ausfertigung zurück zum Zoll. Jetzt verlangt man dort Fotokopien von Pass, Führerschein und Autopapieren von uns. Hatten wir alles, aber natürlich fehlt die Seite mit dem Tansania-Visum, denn das haben wir ja eben erst bekommen. Fotokopien gibt es im Dorf neben der Grenzstation, erfahre ich. Also nix wie hin. Leider ist dort gerade wieder mal Stromausfall und kein Kopierer funktioniert. Also wieder zurück zum Zoll. Nun erst dürfen wir den Kopierer beim Zoll benutzen.

Ich renne hin und her wie ein Bekloppter, Alina im Windschatten von mir, Tipi und Frank bewachen die Autos in der Zeit.Es ist höllisch heiß und ich schwitze mittlerweile wie ein Pferd. Endlich haben wir alle Stempel und Papiere, nun fehlt nur noch die Versicherungspolice für dieses Land. Für 40 Euro kriegt man Deckung für 1 Monat. Dauert wieder eine halbe Stunde und dann können wir endlich weiter fahren.

Gut dass ich den ersten Stop nur 50km nach der Grenze eingeplant habe. Tukuyu ist der letzte Ort davor und hier wollen wir SIM-Karten für unsere Handys kaufen. Internet ist angeblich hier etwas besser verfügbar als in Malawi, aber wir wollen unabhängig sein. Teuer ist es nicht, aber es dauert...und dauert. Nach über 2 Stunden hat die Aktivierung der Karten immer noch nicht geklappt. Der Typ, der uns die Karten verkauft hat, hatte null Plan. Alina und Tipi sitzen und schwitzen und es geht nichts voran. Ich steige aus und stelle dem Kerl ein Ultimatum: Entweder er kriegt die Telefone in 15 Minuten zum Fliegen, oder wir fahren weiter. Darauf geht er mit den Mädels in einen Vodacom-Shop und dort wird uns endlich geholfen. 10 GB Daten - das sollte reichen für unsere Zeit hier.

Mittlerweile ist es 3 Uhr Nachmittag geworden, geschafft haben wir in dieser Zeit 100km, 1 Grenze und den Kauf und Aktivierung von 2 SIM-Karten. Nicht berauschend, aber es sind nun nur noch 20km bis ins Bongo-Camp, unserer Station für heute Nacht.

Endlich mal eine Campsite mit Gras, immer Sand unter den Füßen wurde langsam langweilig und die Füße nicht mehr sauber.

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Es gibt Würstchen in der Pfanne .

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Die Duschen und Toiletten sind gruslige Tropfsteinhöhlen, ein längerer Aufenthalt kommt hier nicht in Frage. Die Locals sind allerdings sehr freundlich, Tipi kauft 1 Pfund Tee. Wir sind hier ziemlich hoch oben, so etwa 1200m und wir sind das letzte Stück an Teeplantagen vorbei gefahren.

Am nächsten Tag haben wir nur 350km zu schaffen. Kein Problem denke ich, die Straßen in Tansania waren bisher ausgezeichnet. Die nächste größere Stadt durch die wir kommen heißt Mbeya. Letzte Gelegenheit für Einkäufe und Tanken. An Lebensmitteln bekommen wir fast nichts von unserer Einkaufs-Wunschliste, Supermärkte kennt man hier nicht, aber unsere Getränkevorräte können wir erfreulicherweise in einem Großmarkt aufstocken.

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Der Verkehr in dieser tansanischen Großstadt war irre. In Malawi gab es kaum Verkehr, hier stehen wir zum ersten Mal im Stau. Auch außerhalb der Stadt wird es nicht besser. Einen LKW nach dem anderen müssen wir überholen. Dabei gilt es immer die Geschwindigkeitsbegrenzung einzuhalten, denn die Polizei hier ist notorisch streng.

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Vor uns fährt ein Minibus. ManU und Schweinsteiger kennt man auch hier.

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Schon kurz hinter Mbeya ist Schluss mit lustig. Die T1, die Hauptverbindung West-Ost in Tansania wird erneuert. Wir sind einige Wochen zu früh dran und fahren nun 200km durch eine Baustelle neben der schönen neuen Straße her. Hinter einer endlosen Karawane staubender LKWs, auf einer Piste die den Namen Straße wirklich nicht verdient hat. Eine Ansammlung von Schlaglöchern und Speed-Bumps auf Sand und Schotter. Wenn es denn endlich mal ein kurzes Stück auf frischem Teer geht, ist die Geschwindigkeit begrenzt auf 50 oder 30 und alle paar Kilometer steht einer mit Radarpistole. Zum Verrückt werden!

Heute war Frank dran mit vorausfahren. Allerdings wurde es Tipi zu dumm als uns alles überholt hat und sie hat sich an die Spitze unseres 2er-Convoys gesetzt und Frank überholt. 20km vor dem Tagesziel ist es dann so weit - wir werden von einem Polizisten gestoppt. Wir sind 65 gefahren bei erlaubten 50 behauptet er. OK, kann sein. Und nun? Wir müssen morgen früh zum Gericht, sagt er uns. Aha, na gut , wenn es denn sein muss. Zwischendurch behauptet er wir wären 78 gefahren. Da widerspricht Tipi energisch und er sieht seinen Irrtum ein. Nun bietet er eine andere Option an, eine die ohne Gerichtstermin funktioniert. Ich war darüber irgendwie nicht wirklich überrascht. Für 50US$, zahlbar an Ort und Stelle wäre die Sache ereledigt. Nun kommt der Auftritt unseres Polizeigeldbeutels, etwas das man in Tansania immer parat haben sollte. Ich zeige ihm den Geldbeutel mit ca. 30.000 Shilling (12 Euro) und beteuere treuherzig, dass das alles ist was wir haben. Er geht kurz telefonieren, kommt zurück und meint nun die Strafe beträgt 30.000 Shilling. Na was ein Zufall!, genau so viel haben wir doch.

Ich steige aus und fülle ein Protokoll aus - wir bekommen tatsächlich eine Quittung. Darauf besteht Raser-Tipi, der Verkehrs-Rowdie. Die Sonne geht langsam unter, ich bin froh, dass es endlich weiter gehen kann. Stolz auf unser Souvenir. Darauf ist sogar Tipi's Alter vermerkt. Der Polizist meinte noch sie sieht aber viel jünger aus als 40.

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Der Tag war lang, wir haben für die 350km 9 Stunden gebraucht. Ankunft Kisolanza-Farm. Hier wollen wir ausruhen. 3 Nächte mit Strom, heißem Wasser und Internet - unsere Ansprüche sind sehr bescheiden geworden.

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Es gibt hier sogar kostenloses Satelliten-WiFi, leider ist das Telefonnetz so schlecht, dass unsere schwer erworbenen SIM-Karten so gut wie nutzlos sind. Zum Email-checken müssen wir weit latschen. Auch Duschen und Toiletten sind auf diesem riesigen Platz weit weg von unserer Campsite. Mit etwas Verspäten gibt es die traditionellen Pfannkuchen. Tipi lässt es sich nicht nehmen in jedem Land durch das wir kommen morgens Pfannkuchen zu backen.

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Zu sehen gibt es hier nicht viel, ist mehr so eine Art Durchgangsstation auf dem Weg nach Norden. Tipi und ich machen dennoch einen Spaziergang über die 1000 Hektar große Farm zu einem Tümpel und zurück.

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Tipi findet ein paar Blüten fotografierenswert.

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Endlich können wir hier wieder Rindfleisch kaufen. In Malawi gab es nichts wegen einer Rinderseuche. Vom Grill schmeckts am besten, leider ein wenig zäh das Ganze.

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Abends sitzen wir dann ganz kitschig am Lagerfeuer.

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Nach 3 Nächten hier sind wir ausgeruht genug um die nächste Etappe in den Ruaha-Nationalpark anzugehen.

Eingestellt von tipitom 09:48 Archiviert in Tanzania

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