Reise blog von Travellerspoint

Mosambik - Teil 2

Die ersten 1000km

semi-overcast 26 °C

Die Einfahrt zu Fatima's Campsite geht durch tiefen Sand. Ich nehme es vorweg, dieses Mal kamen wir problemlos rein und wieder raus.

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Tipi macht erst Mal Inventur. Was wir haben, was wir kaufen müssen und was wir bei Alina und Frank bestellen, die in ein paar Tagen nachkommen.

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In Mosambik hat man europäische Steckdosen. Das führte gestern zu der seltsamen Situation, dass ich mir als Tourist aus Europa als erstes einen Adapter vom seltsamen 3-Pol-Rundsteckern des südafrikanischen Typs auf 2-Pol europäisch besorgen musste. Das Verlängerungskabel das bei Lilly dabei war ist nämlich dieses Modell. Auf dem kleinen lokalen Markt hier im Ort bekomme ich den Adapter problemlos für ein paar Euro. (Leider habe ich ihn gleich wieder bei Fatima vergessen als wir abfuhren). Außer Adaptern gibt es dort alles was Tourist so braucht. Bunte Klamotten, Schmuck (Tipi hat nun weitere 2 Halsketten) und alles für die Dekoration des Hauses. Nilpferd in Lederhose mit Sonnenschirm? Hier Bitteschön! Das hat nicht jeder.

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Abends geht Tipi's Kampf mit den Mossies weiter. Der Fly-Zapper ist im Dauereinsatz, bis er nach 2 Tagen kaputt geht (natürlich meine Schuld). Für die, die nicht wissen was das ist: Ein kleiner Tennisschläger, der die Mücken mit Hochspannung röstet. Es gibt jedesmal einen hübschen Knall wenn man eine erwischt. Es knallte oft in den ersten beiden Nächten. Im Inventur-Bild oben sieht man ihn unten links im Bild. Wir bestellen 2 neue Fly-Zapper als Ersatz bei Alina.

Die 3. Nacht war windig, fast stürmisch und dadurch endlich mal ohne Mücken. Nicht nur die Locals tragen Fleece, auch wir sitzen mit Jacken abends in der Beach Bar. Wenn ich daran denke, wie ich hier in Mosambik for 4 Jahren im März geschwitzt habe und wie kalt es jetzt in Kapstadt wäre...wie gut, dass wir die Reise hier oben im Norden begonnen haben. Tagsüber geht es auf 30 Grad, aber nachts ist es angenehm bzw. fast ein wenig zu kühl um draußen zu sitzen. An den ersten Tage war es tagsüber wolkenlos. Wir dachten schon das ist jetzt immer so. Allerdings am Tag der Abreise dann sogar leichter Nieselregen.

Fatima's Campküche hat nur 1 halbwegs funktionierende Gasflamme, die bei jedem Windhauch aus geht. Deswegen benutzen wir unseren eigenen Gaskocher. Unsere kleine Gasflasche ist allerdings bald leer. Ersatz zu finden wird schwieriger als gedacht. Unser Modell ist in Mosambik unbekannt. Jeder dem wir die kleine Gasflasche zeigen schüttelt mit dem Kopf. Wir müssen Fatima's Gas nutzen, ob wir wollen oder nicht. Was immer die hier als Kochgas verkaufen, die Töpfe und Pfannen sind nach dem Kochen so verrußt, dass man sie kaum sauber bekommt.

Der Mosambik-Wein, den ich gestern am Markt gekauft habe, ist schauerlich. Ich bin kein Connoisseur für Wein, aber das hier kriege ich nicht runter. Mosambik landet auf Platz 2 meiner Hitliste der Länder mit dem schlimmsten Wein, knapp hinter Myanmar.

Der Strand hier ist unglaublich breit und viel schöner als in Xai-xai. Es ist auch mehr los, was allerdings nur bedeutet, dass sich etwa 50 Touristen auf die 2km Strand verteilen.

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Vom Ufer aus kann man hier um diese Jahreszeit immer wieder mal Buckelwale springen sehen. Es werden Touren angeboten, um näher dran zu sein. Allerdings für teures Geld. Ich habe in der Antarktis genug Buckelwale gesehen, das reicht für ein ganzes Leben. Damals sagte ich mir schon, dass ich nie mehr Geld für Whalewatching ausgeben muss. Da Whalewatching stundenlanges Fahren auf kleinen, wackeligen Booten bedeutet, verzichtet auch Tipi gerne.

Eine hochschwangere Katze kommt regelmäßig zu uns an den Platz. Tipi versorgt sie mit Milch, Würstchen und Hühnerfleisch. Sie ist überzeugt, die Katze mag uns. Ich gebe zu bedenken, dass es eventuell das viele Füttern ist, daß das Tier immer wieder zu uns führt. "Abwegiger Gedanke", meint Tipi, "sie mag uns!"

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Nach 4 Nächten wird es uns auch bei Fatima zu langweilig. Den Strand haben wir gesehen, zum Schnorcheln oder Tauchen ist es uns zu kalt. Verwöhnt von Fidschi und Bali ist für uns alles unter 25° Grad Wassertemperatur inakzeptabel.

Tipi verfolgt immer noch die selbstgewählte Challenge aus jedem Land durch das wir kommen Postkarten zu verschicken. Hier in Mosambik erweist sich bereits der Kauf der Karten als Herausforderung. Wir fragen uns durch ganz Tofo - nichts zu finden. Im größten Hotel hier hatten sie mal Postkarten, aber ausverkauft. Fündig werden wir in einem winzigen Laden. Die Verkäuferin spricht kein Englisch, aber Tipi findet 5 Karten, die nicht allzusehr vergilbt sind. An Motiven muss man nehmen was da ist, schön finde ich sie alle nicht. Dafür zieht uns die Verkäuferin beim Preis über den Tisch. Das waren die teuersten Postkarten bisher.

Gut, das hätten wir also. Nach Briefmarken zu fragen erwies sich als noch aussichtsloser. In der Post in Maxixe, da wird es wohl welche geben. Da machen wir eh halt, weil es gibt dort Supermärkte. Naja, Google sagt es sind Supermärkte. Wir werden sehen was es in Wirklichkeit für Läden sind.
Es war nicht das was wir erhofft hatten. Wir bekommen wieder nur die Hälfte von dem was wir wollten. Eine Palette Coke Zero und Ersatz für den ungenießbaren Mosambik-Wein (südafrikanischen Claret...mjamm) in einem Laden. Im anderen etwas tiefgefrorene Würstchen und Bouletten.

Auf zur Post. Tipi geht alleine, ich bleibe beim Auto wie immer. Wir lassen den Wagen keine Sekunde ohne Aufsicht. Gemeinsam Einkaufen ist erstmal nicht. Es dauert 15 Minuten, 20 Minuten - ich mache mir langsam Sorgen. Was kann denn da so lange dauern?
Da kommt sie um die Ecke und erzählt ihre Geschichte:

Der Mann am Schalter war wohl völlig überfordert mit ihrem Anliegen. Briefmarken? Wohin? Deutschland? Dazu muss er erstmal jemand anrufen. Als der korrekte Wert der zu klebende Marken auf diese Weise ermittelt ist beginnt die Suche nach den passenden Marken. Nur für 3 Karten hat er es passend, für, 2 weitere muss er mehrere Marken kleineren Wertes addieren. Hui, jetzt wird es wirklich schwierig. Die Postkarten sind nicht klein, die Marken grösser. Es bleibt kaum Platz alle anzubringen, zum Teil muss er sie übereinander kleben. Dem mitlesenden Philatelisten blutet jetzt das Herz.
Dann darf Tipi selbst seine Werke abstempeln. Am Ende musd er alles zusammen rechnen, eine weitere Herausforderung wie sich zeigt. Auch hier ist es wieder richtig teuer. Wenn die Karten nicht ankommen, an Tipi hat es nicht gelegen. Mehrere Stunden auf der Suche nach Karten und Marken verbracht, viel Geld ausgegeben - mehr konnte sie nicht tun für ihre Challenge.

300km nordwärts wollen wir heute. Vorher müssen wir noch zum Tanken. Reifendruck, Ölkontrolle - ich war etwas abgelenkt und der Tankwart nutzt die Gelegenheit mich gleich mal um fast 20l Sprit zu beschei.... Wieder was gelernt, ab jetzt bleibe ich neben jedem Heini stehen der mein Auto betankt.

Wir überqueren den Wendekreis des Steinbocks. Ein Schild am Straßenrand weist darauf hin: Tropic of Capricorn. Tipi verschläft diesen denkwürdigen Moment. Die Gegend hier ist aber auch super-langweilig. Flaches Gestrüpp und kleine Bäume in unterschiedlichen Phasen der Austrocknung.

Nach etwa 2 Stunden Fahrt dann die ersten Baobab-Bäume. Die sehen allerdings ziemlich beeindruckend aus. Keine Blätter dran um diese Jahreszeit, nur Früchte baumeln wie Weihnachtskugeln an einigen Bäumen.

Am Straßenrand liegt alle paar Kilometer ein Stapel Brennholz und wartet auf Käufer. Beim Durchfahren eines kleinen Dorf sehen wir Frauen, die offensichtlich gerade vom Wasser holen kommen. Balancieren scheinbar mühelos volle 20l-Kanister auf dem Kopf. Ihr Ziel liegt nicht direkt an der Straße, sondern etwas abseits im Gestrüpp. Kleine Ansammlungen von strohgedeckten Rundhütten aus Lehm. So muss es hier vor 200 Jahren überall ausgesehen haben.

An der Straße ist jedes 2. gemauerte Gebäude rot gestrichen. Meist mit Vodafon Logo verziert, oft aber auch Coca-Cola. Wir vermuten, dass jeder der sein Haus als Werbefläche für die jeweiligen Logos zur Verfügung stellt, einen Gratis-Anstrich in Rot bekommt. Selten sieht man einen Revoluzzer der sein Haus orange streichen ließ. Darauf prangt dann das Konkurrenz-Logo von Movitel.

Was hier alles auf ein Auto bzw. einen Anhänger passt ist atemberaubend. Ist allerdings nicht so, dass die vollgeladen über die Straßen schleichen. Dieser hier fuhr mit 90km/h, bis ihn kurz darauf tatsächlich die Polizei rausgezogen hat.

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Etwas später werden auch wir zum 1. Mal von der Polizei gestoppt. Mulmiges Gefühl. Was wird es kosten? Mosambik ist bekannt für Kontrollen in denen es Strafzettel für nicht existente Vergehen gibt. Fahren barfuß, mit Ellbogen aus offenem Fenster, mit Sonnenbrille, fehlende Feuerlöscher - alles kann hier Geld kosten. Wir haben heute Glück. Der Uniformierte stellt nur ein paar belanglose Fragen: Wo wir her komen, wo wir hin wollen, etc.
Dann können wir weiter. Durchatmen.

Etwas später kommt der Moment, an dem sich der Tageskilometerzähler zum ersten Mal auf 000 stellt.

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Das waren also die ersten 1000km. Wir haben uns vorgenommen jedes Mal wenn das passiert ein Selfie mit Puli, unserem Maskottchen zu machen. Mal sehen ob wir das bis zum Ende durchhalten.

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Eingestellt von tipitom 10:25 Archiviert in Mosambik

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Inhalt

Kommentare

22. September

HAPPY BIRTHDAY THOMAS

Alles alles Gute zum Geburtstag, genieße den Tag und lass Dich verwöhnen!

von Gerd

Alles Gute zum Geburtstag lieber Thomas, viel Glück und Gesundheit auf der Reise mit Deiner hübschen Gattin!
Edeltraud und Leo

von Lipka

Vielen Dank für die Glückwünsche. Wir sehen uns dann sicher nächstes Jahr nach der Rückkehr. ☺

von tipitom

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