Reise blog von Travellerspoint

Namibia - Teil 11

Deadvlei

sunny 33 °C

Wir marschieren los, grobe Richtung ist Süden, immer im Tal des Hidden Vlei entlang, flankiert von hohen Dünen. Vor uns reißt die Wolkendecke auf, blauer Himmel ist zu sehen. Endlich gutes Licht für die Fotos, ist der erste Gedanke. Immer noch weht ein kühler Wind, der Untergrund ist fest, wir kommen gut voran. Nach etwa 1km erreichen wir das Ende des Tals. Nun haben wir Wahl: Der direkte Weg ginge über eine hohe Düne und wer weiß was dahinter noch an Sanddünen kommt. Der andere Weg geht außen herum, ist erheblich länger, aber viel angenehmer zu gehen. Deswegen gehen wir um die Düne herum. Dank Navigation mit GPS sind wir danach bald wieder auf direktem Kurs. Mittlerweile ist der Himmel fast wolkenlos und der kühle Wind ist auf dieser Seite der Düne verschwunden. Es wird heiß!

Nun stehen wir wieder vor einer Düne, diesmal gibt es keinen anderen Weg vorbei daran, wir müssen drüber. Der Sand rutscht mit jedem Schritt einen halben Schritt zurück, es brennt an den Knöcheln weil man versinkt, so heiß ist es mittlerweile. Es sind nur etwa 50m hoch zum Sattel, aber wir sind ziemlich kaputt als wir oben sind. Vor uns eine kleine Senke, um die wir am Grat entlang herumlaufen können.

Dann wieder auf der anderen Seite hinunter. Nun sind wir nur noch etwa 500m vom Ziel entfernt. Das Problem dabei: Zwischen uns und dem Deadvlei liegt die "Big Daddy Düne". Die heißt so, weil sie die größte, höchste Düne weit und breit ist. Wir müssen nicht über den Gipfel, aber der Schultergrat ist auch furchtbar hoch.

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Wir suchen die niedrigste Stelle und beginnen den Aufstieg. Aufrutscht wäre besser, denn mit jedem Schritt löst sich eine kleine Sandlawine und wir rutschen zurück. Ich finde heraus, dass man auf allen Vieren besser voran kommt. Wie ein Käfer krabble ich das letzte Stück zum Grat. Tipi kämpft sich hinterher. Wir müssen den Grat bis zur Spitze hinauf, um wirklich auf die andere Seite zu kommen. Laut Karte ist das der Big Daddy Walking Trail, Spuren anderer Wanderer sind aber nicht zu sehen. Als Erster die Spur zu machen ist unglaublich anstrengend. Die Sonne brennt mittlerweile, der Sand ist hölleheiß, mein Puls ist irgendwo bei 180. Alle 20 Schritte muss ich Pause machen. Tipi möchte umkehren, ich bin für Weitergehen, denn der Weg zurück ist weit. Sie bleibt erst mal zurück und ich kämpfe mich allein zu einem Nebengipfel der Düne. Von dort sehe ich unser Ziel 200m unter mir.

Ich mache Tipi Zeichen, dass es geschafft ist, sobald sie zu mir hoch kommt. Mit neuer Energie packt sie die letzten 50m. Jubel! Wir rutschen den steilen Hang auf dem Hosenboden die Düne runter. Das wäre viel lustiger gewesen, hätten wir daran gedacht Sandboards mitzubringen. Außer uns ist nur ein einsamer Fotograf auf dem Gelände zu sehen. So muss es sein, diese Orte verlieren ihre Magie, wenn man von Menschenmassen umgeben ist und man kaum ein Foto machen kann, ohne fremde Personen im Bild zu haben. Tipi macht wieder Fotos von den Bäumen. Auch hierbei viel die Auswahl wieder extrem schwer. Hammer-Fotos, eines wie das andere.

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Der hier sieht aus wie ein Geist.

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Ich schaue mir die Bäume aus der Nähe an, einige sind schon seit 200 Jahren tot und stehen immer noch.

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Hier das meiner Meinung nach beste Bild. Das wird in Postergröße bald in unserer Wohnung hängen.

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Nun bleibt noch der lange Weg zurück. Zunächst zum 4x4 Parkplatz, etwa 1km. Teilweise wieder durch tiefen Sand und es wird immer heißer. Die Wahl eines schwarzen T-Shirts für heute habe ich längst bereut.

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Interessante Hinweisschilder am Ausgang. Am Parkplatz dann endlich Schatten und ein Platz zum Sitzen.

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Nach kurzer Pause müssen wir los. Wir haben nur noch etwa einen halben Liter Wasser für die 5km zurück zum Auto, entlang der Strecke, die sonst die Allradfahrzeuge fahren. Dem Oryx hier ist das völlig egal, keine Ahnung wo er sein Wasser herbekommt.

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Es geht kein Windhauch, obwohl es schon gegen 4 Uhr geht wird es immer heißer. Der Weg ist nicht für Fußgänger gedacht, immer wieder tiefer, heißer Sand. Etwa 1km vor dem 2x4 Parkplatz sehen wir einen Toyota im Sand stecken. Witzig, es ist fast genau die Stelle an der ich vor 4 Jahren festsaß. Ich konnte mich damals mit High-Lift-Jack, viel Schweiß und ein paar geliehenen Sandblechen befreien. Dem Kollegen hier geht es nicht so gut. Er hat keinen Superwagenheber, keine Sandbleche, keine Winde. Andere Fahrzeuge sind stehen geblieben, aber keiner hat die richtige Ausrüstung. Allesamt Kurzzeit-Touristen mit Mietwagen. Einer hat einen neuen Toyota Landcruiser, wohl das beste Fahrzeug überhaupt für dieses Gelände, gibt aber auf und kehrt um.

Wir bekamen mit, dass die Ranger verständigt wurden. Wie und wann sie die jungen Leute aus der Sandfalle befreit haben,wissen wir nicht. So einfach ist es wirklich nicht selbst zum Deadvlei zu fahren. Ein fähiges Auto alleine reicht dafür anscheinend nicht, auch der Fahrer sollte Erfahrung mit tiefem Sand haben. Wir sind am Ende sehr zufrieden mit unserer Entscheidung zu Fuß zu gehen. 14 km durch die Wüste, 6 Stunden Marsch, die fotogenen Bäume für uns praktisch allein gehabt - das war einer der besten Tage in Afrika und der gesamten Reise.

Eingestellt von tipitom 10:25 Archiviert in Namibia

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